Startseite ↦ Blogs ↦ Aus der Redaktion ↦ Ausgezeichneter Illustrator
Ausgezeichneter Illustrator
Unser Illustrator Philip Schaufelberger wurde Ende September mit dem Gender&Diversity-Preis der Hochschule Luzern ausgezeichnet. Für die prämierte Bachelorarbeit („Hier. Dort. Diese Strasse“) reiste er durch Rumänien, Bosnien und Moldawien – stets auf der Suche nach Prostituierten. In seinem Comic dokumentiert er, wie die porträtierten Frauen leben und arbeiten. Der ZS verrät er, dass er bald wieder nach Moldawien möchte – doch nicht nur wegen den Frauen.
Philip, mit wie vielen Prostituierten hast du dich in den letzten Monaten getroffen?
Seit dem Abschluss mit gar keiner. Wobei getroffen eine unzutreffende Aussage wäre. Alle, die ich mit der Absicht, ein Interview zu führen, treffen wollte, waren nicht sehr offen für diese Idee oder zu beschäftigt mit ihrer Klientel. Gesamthaft waren es daher leider deren fünf. Ich begegne aber täglich den Prostituierten des Luzerner Drogenstrichs, in dessen Nähe ich wohne. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass sich der Umgang mit diesen Frauen äusserst schwierig gestaltet und ohne sozialpädagogische Ausbildung nicht ratsam ist.
Der Strassenstrich, die Prostitution von Minderjährigen und die Dumping-Preise sind derzeit sehr präsent in den Medien. Findest du, die Politik geht die Probleme korrekt an?
Geht sie das Problem überhaupt an? Bisher äusserten sich Politiker nur zum Verbrechen krimineller Romazuhälter, nie aber zum Schutz der Frauen. So zumindest scheint es mir. Das Argument ist oft, dass es die Öffentlichkeit stört, dass das Problem in ein Schlachthof versteckt gehört – fernab des „gesitteten“ Bürgers. Ich will nicht sagen, dass beim Sihlquaistrich die Arbeitssituation ideal sei. Mitnichten. Aber ich höre nicht viel zum verbesserten Schutz und Prävention gegen Ausbeutung dieser Frauen.
Du bist für Deine Bachelor-Arbeit durch Rumänien, Bosnien und Moldawien gereist, welches Land hat dich am meisten fasziniert?
Moldawien. Gerne wäre ich diesen Sommer nochmals hingegangen, ohne Bezug zu meiner Arbeit, einfach um das Land ausführlicher kennen zu lernen. Wirtschaftlich gesehen ist Moldawien aus meiner Sicht ein Paradox. Agrartechnisch wäre es eines der fruchtbarsten Länder Europas – der „Garten Eden“ der UdSSR – und dennoch ist es eines der ärmsten Länder unseres Kontinents. Leider ist es politisch noch immer im Limbus, was nicht zuletzt auch auf die allgegenwärtige Korruption zurück zu führen ist.
Hat dich das Thema psychisch stark beschäftigt?
Die Bücher und Opferberichte zu diesem Thema liessen mich nicht unberührt. Dinge wie „Zureiten“ oder der „Marsch durch die Wüste“ sind schlichtweg kaputt und lösen nur bei Steinen kein Mitgefühl aus. Allerdings durfte ich mich davon auch nicht beirren lassen, sonst hätte ich die Arbeit nicht über dieses Thema machen sollen.
Was bedeutet für dich der Gender&Diversity-Preis? Fühlst du dich als Brückenbauer?
Ich bin geehrt und erfreut, dass meine Arbeit auf Resonanz trifft, wertgeschätzt wird und – entgegen der Haltung gegenüber Comics – nicht abgelehnt, sondern ernst genommen wird. Viel mehr jedoch erhoffe ich, dass der Preis mir Türen für die weitere Recherche öffnet, welche zuvor wegen der Skepsis gegenüber dieser Arbeit verschlossen blieben.
Ich sehe mich aber nicht als Brückenbauer. Weniger aufgrund der Bedenken gegenüber dem Medium Comic als vielmehr mit meinen Ansprüchen. Als Brückenbauer müsste ich viel weiter gehen.
Links
Kommentare:
Bisher hat niemand diese Seite kommentiert.
Dein Kommentar:
RSS Feed für die Kommentare auf dieser Seite | RSS feed für alle Kommentare
