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Auf der grossen Bühne angekommen
Len Sander feierte am letzten Donnerstag den grössten Erfolg ihrer Bandgeschichte. Als Vorband von Morcheeba trat sie im X-Tra für eine halbe Stunde auf.
«Mit wackligen Beinen betrat ich die Bühne. Mir war schlecht. Und als sich meine Augen an das Scheinwerferlicht gewöhnt hatten, dachte ich nur: ‹Scheisse, so viele Leute!›», erinnert sich Alessandro. Er lächelt und sinkt zurück in seinen Sessel. Zuvor sass der 21-jährige Musikstudent noch am Fender-Rhodes, einem elektronischen Piano, und spielte für eine halbe Stunde zusammen mit seiner Band Len Sander im X-Tra. «Ich kann es noch immer kaum glauben. Vorband von Morcheeba! Die sind weltbekannt!», sagt Alessandro nach dem Konzert.
Undefinierbar authentisch
Morcheeba ist eine der Bands, an denen sich die Musik von Len Sander orientiert. Doch ihre Musik mit der englischen Trip-Hop-Band gleichzusetzen, greift zu kurz. Genauso wie man den Fantasienamen der Band nicht übersetzen kann, so undefinierbar ist ihre Musik. Es steckt eben so viel Funk, Electro, Dub wie vor allem auch Jazz darin. Len Sander strebt nach ihrem eigenen «Band-Sound», wie es Alessandro nennt. An diesem Sound feilen sie bis zur Perfektion in ihrem Bandraum. Ein Luftschutzraum, welchen die Band selber isoliert und fast wohnlich eingerichtet hat. Hier verkriechen sich die sechs Bandmitglieder mindestens einmal pro Woche und proben. Der Bandraum quillt von Instrumenten fast über, weil alle Bandmitglieder mehrere Instrumente spielen. Das macht die Band vielseitig, aber bezüglich ihrer Zusammensetzung auch unflexibel. So ist weder Alessandro noch Dennis (Gitarre), Simon (Piano, Synthesizers) Flavio (Bass, Gitarre, Electronics) oder Markus (Schlagzeug, Perkussion) ersetzbar. Und schon gar nicht Mirjam. Mit ihrer sanften und doch kräftigen Stimme verleiht sie der Musik eine «persönliche Note». Ihre spanischen Texte sind «sehr emotional» und entspringen aus ihrem eigenen Leben. «Sie handeln von Beziehungen zu meinen Mitmenschen, Fernweh und anderen Sehnsüchten», sagt Mirjam. Die Musik dazu entwickelt die Band im Kollektiv. «Meist kommt jemand mit einer Idee, die wir dann auch sehr schnell umsetzen können. Wir alle haben den Band-Sound so verinnerlicht, dass wir uns blind verstehen», erzählt Alessandro. Natürlich gibt es auch Unstimmigkeiten, doch der Band kommt zu Gute, dass sie seit Jahren enge Freunde sind.
Zusammen mit den Vorbildern aus der Jugendzeit
Auch auf der Bühne ist Len Sander ein eingespieltes Team. Doch die Konzerthalle des X-Tra erscheint noch eine Nummer zu gross. Man möchte fast meinen, die einzelnen Bandmitglieder verstecken sich hinter ihren Instrumenten. Sie kommen nicht wirklich aus sich heraus und die Bühnenpräsenz ist eher klein. Normalerweise steigert sich eine Band im Laufe ihres Konzerts. Doch für Len Sander ist das heute besonders schwierig. Sie hat bloss eine halbe Stunde für den Auftritt zur Verfügung – dies obwohl sie ein Repertoire für zwei ganze Konzerte in petto hätte. Dennoch: Der Auftritt überzeugt musikalisch. Er ist rund und solide. Len Sander umhüllt das Publikum mit einem Klangteppich gewoben aus Jazz, Trip-Hop und Funk. Mit dem ersten Lied peilt Len Sander die Tanzbeine an. Und nach einem sphärischen Intermezzo möchte die Band mit dem letzten Lied noch einmal richtig abräumen. Doch um das Publikum so richtig auf eine Reise durch die Klangwelt von Len Sander mitzunehmen, fehlt der Band die Zeit. Es bleibt bei einem Kurztrip mit einigen wenigen Liedern. Der Schlagzeuger, Markus, erzählt, wie pragmatisch ihre Auswahl dabei war: «Wir konnten nur auf ein begrenztes Equipment zählen und wussten, dass wir nicht viel Zeit für den Soundcheck haben werden. Also haben wir uns für diejenigen Lieder entschieden, die wir so einfach umsetzen konnten.» Für den 30-jährigen ehemaligen Informatik-Student war der Auftritt vor Morcheeba besonders speziell. «Ich bin mit Trip-Hop aufgewachsen und Morcheeba gehörte vor zehn Jahren noch zu meinen Lieblingsbands.» Als seine Vorbilder vor einem halben Jahr an den Musikfestwochen in Winterthur aufgetreten sind, hat er die Probe mit Len Sander sausen lassen. Dass er einmal selbst Teil eines Auftritts von Morcheeba sein wird, hat er sich nie erträumt.
Ausgewählt aus 130 Mitbewerbern
Vor einiger Zeit hat sich Len Sander online für einen Wettbewerb eingetragen. Von den rund 130 Bands wurden dann zehn ausgewählt und Morcheeba zur Auswahl vorgelegt – Len Sander hat dann den Hauptpreis gewonnen. «Wir mussten uns sehr kurzfristig entscheiden und auf dieses Konzert vorbereiten. Doch für eine solche Chance haben wir natürlich keinen Aufwand gescheut», sagt Alessandro. Der Lohn für diese Arbeit waren mehrere Tausend klatschende Hände – «ein ungewohntes, wie unbeschreibliches Gefühl», schwärmt Alessandro. Er betont zwar, dass sie die bisherigen Lokale dank ihrem grossen Freundeskreis immer sehr gut füllen konnten, doch dieses Konzert sei für sie eine neue Dimension gewesen. Bisher trat die Band in kleineren Clubs in Zürich, Frauenfeld und Bern auf. Der grösste Erfolg war ein Auftritt im Hive.
Einen Schritt weiter
Doch auch nach dem ersten Auftritt auf einer wirklich grossen Bühne gibt sich Len Sander noch lange nicht zufrieden. Sie hat Bühnenluft geschnuppert und will nun einen Schritt weitergehen. Um ihre Ziele zu erreichen, überlässt sie nichts dem Zufall. Ihr Auftreten auf den verschiedenen Plattformen im Internet erscheint professionell. «Genauso wie unsere Musik komplett und rund sein sollte, halten wir es mit unserer Internetpräsenz», erzählt Markus, der sich um das Marketing der Band kümmert. Alessandro fügt an: «Natürlich wollen wir aber auch unseren Fans möglichst viel bieten.» Die Fans sind Len Sander wichtig. So ist das nächste grosse Ziel, Fans zu erreichen, welche nicht als Freunde der Bandmitglieder, sondern ausschliesslich wegen der Musik an die Konzerte kommen. Ihren Band-Sound möchte Len Sander weiterentwickeln und dabei immer authentisch bleiben.
Begeisternde Fans
Der Sommer naht und es stehen zahlreiche Festivals an. Len Sander wird bei einem sicher dabei sein. Welches, kann die Band noch nicht bekannt geben, weil das Line-Up noch nicht offiziell bekannt ist. Doch nicht zuletzt wegen dem gelungenen Auftritt im X-Tra dürfte Len Sander wohl noch mehr Chancen erhalten. Wie die junge Band selbst gemerkt hat, kann das sehr schnell gehen und jetzt, da sie das erste Mal die Luft der grossen Bühne geschnuppert hat, möchte sie mehr: Ein möglichst zahlreiches Publikum mit ihrer Musik erfreuen. «Nichts ist schöner, als der Applaus der begeisterten Fans», sagt Alessandro und sein Gesicht strahlt dabei. Es ist jenes zufriedene Lachen, das er auch schon auf der Bühne hatte, nachdem die ersten Takte gespielt waren.
Weitere Konzerte: 30. April, Provitreff, Zürich.
Len Sander auf Facebook, Twitter und myspace.
Links
Kostenloser Download der Len-Sander-EP «Organik»
lensander.com
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